Überspringen

Kalender Liste
Sortieren nach
Tagen
Auswirkungen der Corona-Pandemie und die digitale Transformation Main Stage Keynote
11:25 — 11:55
24. November '20

Stillstand als Beschleuniger

Sprache: DEU + EN

COVID-19 als notwendige „Schöpferische Zerstörung“?

Eigentlich wollte ich nur einige Kapitel zu meinem, vor knapp zwei Jahren erschienenen Buch ERDE 5.0 ergänzen. Als ich dann aber begann zu schreiben, stellte ich fest, wie radikal sich die Welt in den letzten 24 Monaten geändert hat. In ERDE 5.0 habe ich erklärt, „Nie wieder wird die Geschwindigkeit der bevorstehenden Veränderung so langsam sein wie heute!“ – und nun? Der Wandel, mit all seinen Veränderungen, hat noch einmal den „Turbo“ eingelegt. Corona hat uns zu einem Stillstand gezwungen und damit gleichzeitig wie ein Brandbeschleuniger auf die Entwicklungen und Versäumnisse der letzten dreißig Jahre gewirkt. Das Virus legt nun schonungslos die Systemfehler unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems offen. Jahrzehntelang haben wir die aufkommenden Krisen ignoriert: Klimakatastrophen, Artensterben, zunehmende Migration, Müllkrisen, Umweltzerstörung, wachsende Ungleichheit, Massentierhaltung und Dieselgate. War ein derartiger globaler Notstand, wie wir ihn gerade erleben, unvermeidbar?

Es scheint, als wolle sich die Natur gegenüber der Menschheit behaupten und ein Exempel statuieren. Wir sind plötzlich gezwungen, inne zu halten. Inne zu halten, um uns und unser System in Gänze zu hinterfragen. So brutal die Ereignisse und Folgen des Virus für uns sind, ist es dennoch an der Zeit für einen Neuanfang. Eine Chance, uns neu zu sortieren, die Ursachen für unsere Probleme zu erkennen und zu beheben, statt die Symptome zu betäuben.

Erst jetzt, wo uns das physische Beisammensein durch Covid-19 erschwert wird, wird die Bedeutung des Internets und die Digitalisierung langsam als das empfunden, was sie sind: Die Infrastruktur unseres zu- künftigen Wohlstandes.


Wer die Digitalisierung nicht beherrscht - keinen Zugriff auf das Internet oder nur auf eine geringe Bandbreite hat - kann in Zukunft nicht mehr teilhaben. Auf einmal gilt, Homeoffice oder gar keine Arbeit, Video- Konferenz oder gar kein Zusammentreffen. Erstmals denken unsere Politiker sogar über das Internet und den Zugang zum Netz als Menschenrecht nach. Wir fangen an zu verstehen, welche Tragweite in diesem Wandel steckt. Die Digitalisierung und der technologische Fort- schritt sind der Hebel für mehr Nachhaltigkeit und bieten uns einen Ausweg aus der tiefen sozialen Instabilität, die wir erleben.

In zehn bis zwanzig Jahren werden wir über die Zeit vor der ersten Corona-Pandemie vermutlich als die Zeit vor der „großen Transformation“ sprechen. Dieser Wandel betrifft alle Lebens-, Arbeits- und gesellschaftlichen Bereiche. Ich hoffe, dass wir jetzt schnell die richtigen Erkenntnisse gewinnen und die richtigen Entscheidungen treffen. Denn Deutschland ist gut darin, die Dinge richtig zu machen – nicht aber dar- in, die richtigen Dinge zu tun. Jetzt geht es jedoch darum, die richtigen Dinge richtig gut zu machen. Andernfalls werden wir die vor uns liegenden Herausforderungen nicht ansatzweise bewältigen können.

Dieses komprimierte Büchlein soll dabei helfen, die menschheits- und existenzbedrohenden Krisen, in denen wir stecken, ganzheitlich zu betrachten und zu verstehen. Denn alles, was um uns herum passiert ist kein Zufall. Es ist die logische Konsequenz unseres globalen Handelns. Alles hängt mit allem zusammen – und alles treibt alles! Harald Lesch hat einmal ganz richtig gesagt: „Wir sprechen immer von Umwelt – eigentlich müsste es aber Mitwelt heißen. Denn die Natur kann ohne den Menschen ganz gut, der Mensch aber nicht ohne seine Mitwelt leben.


Wir müssen endlich begreifen, dass wir Teil des Ganzen sind und nicht über den Dingen stehen.“

Ich möchte Sie daher zu einem Perspektivwechsel einladen. Wenn wir unseren Blickwinkel verändern, dann können wir, wie Platon es in dem Beispiel seines Höhlen- und Schattengleichnisses in der antiken Philosophie darstellt, auf einmal erkennen, dass die Welt bunt ist und nicht nur aus flachen, schwarzen Schattengestalten an der Höhlenwand besteht. Ich möchte Sie dazu einladen, mit mir gedanklich die Höhle zu verlassen, um uns die Welt einmal aus der Sicht eines anderen zu betrachten, vielleicht aus der Sicht des „vermeintlich Andersdenkenden“.

Dazu fällt mir ein alter Witz aus Kindertagen ein: Auf dem Gehweg neben einer Straße spricht ein Junge einen Passanten an. „Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, wo ich die andere Straßenseite finde?“ Erstaunt antwortet der Passant, „Na klar, dort drüben.“ Der Junge fängt bitterlich an zu weinen und sagt, „Das kann doch nicht wahr sein. Die von dort drüben schicken mich immer hierüber!“

Die eine „richtige“ Wahrheit, die wir so häufig suchen, gibt es nicht.

„Wahrheit ist nie absolut, sie ist immer historisch“, so ein Zitat aus der NZZ vom August 2020. Wahrheit ist abhängig von ihrer Zeit, von religiösen und politischen Ansichten. Wenn eine Gesellschaft nur noch eine Wahrheit zulässt, dann mündet dies wie im 16. und 17. Jahrhundert in Konfessionskriegen. Daher muss sich jede Gesellschaft entscheiden, ob sie in Wahrheit oder in Frieden leben will. Dogmen helfen hierbei leider nicht.

Viel Spaß und Mut zum Neudenken.

Karl-Heinz Land

Autor – Investor – Keynote Speaker

Änderungen vorbehalten

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Um zu Ihrer Merkliste zu gelangen,

Um an dieser Veranstaltung teilzunehmen,
melden Sie sich bitte an.